
Immer mehr E-Mail-Anbieter verlangen bei der Registrierung eine Telefonnummer – angeblich, um Spam und Missbrauch zu verhindern. Für viele Nutzer ist das jedoch ein Ärgernis, denn nicht jeder möchte seine Handynummer mit einem kostenlosen Postfach verknüpfen.
Zum Glück gibt es nach wie vor Anbieter, bei denen Sie ohne diesen Zwischenschritt auskommen. Ich zeige Ihnen sieben davon und erkläre, worauf Sie bei der Anmeldung jeweils achten sollten.
Proton Mail
Proton Mail aus der Schweiz gehört zu den bekanntesten datenschutzorientierten Anbietern. Bei der Registrierung geben Sie lediglich einen Benutzernamen und ein Passwort an, eine Telefonnummer ist nicht erforderlich. Stattdessen bietet Ihnen der Dienst eine Wiederherstellungs-E-Mail als Option an, falls Sie Ihr Passwort einmal vergessen.
In meiner Erfahrung kann es dennoch vorkommen, dass Proton bei verdächtigen Anmeldemustern – etwa vielen Registrierungen aus derselben IP-Adresse in kurzer Zeit – ein Captcha oder eine alternative Bestätigung verlangt. Das betrifft aber nur wenige Fälle und läuft dann über E-Mail, nicht über SMS.
Die kostenlose Version bringt 1 GB Speicherplatz und einen Kalender mit, kostenpflichtige Tarife starten bei rund 3,99 Euro im Monat und bieten mehr Speicher sowie eigene Domains. Wer Wert auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung legt, ist hier gut aufgehoben.

Weitere Informationen zur Registrierung ohne Telefonnummer finden Sie direkt auf der (https://proton.me/de/blog/create-an-email-account-without-phone-number-verification).
Tuta Mail
Tuta Mail, früher unter dem Namen Tutanota bekannt, verzichtet ebenfalls komplett auf eine Telefonnummer bei der Anmeldung. Anschließend erhalten Sie einen Wiederherstellungscode, den Sie sicher aufbewahren sollten, denn ohne ihn und ohne Telefonnummer gibt es im Ernstfall keinen weiteren Weg zurück ins Konto.
Genau das ist gleichzeitig der Praxishinweis, den ich Ihnen mitgeben möchte: Notieren Sie sich diesen Code am besten offline, zum Beispiel auf Papier, statt ihn nur als Screenshot auf dem Smartphone zu speichern.
Tuta verschlüsselt neben dem Inhalt auch Betreffzeilen und Kontakte automatisch, was über das hinausgeht, was viele andere Anbieter leisten. Selbst eine Anmeldung über den Tor-Browser ist möglich, wobei das Konto dann zur Sicherheit häufiger zur manuellen Prüfung markiert wird und erst nach 48 Stunden nutzbar ist.
Mailfence
Mailfence aus Belgien richtet sich an Nutzer, die neben der E-Mail-Funktion auch Wert auf Verschlüsselung mit OpenPGP legen. Bei der Anmeldung reicht eine alternative E-Mail-Adresse zur Passwortwiederherstellung aus, eine Telefonnummer wird nicht abgefragt.
Da Mailfence sich klar als Anbieter für Privatsphäre positioniert, unterscheidet sich die Anmeldung kaum von Proton oder Tuta – auch hier ist der Fokus auf Transparenz statt Datensammlung erkennbar.
GMX
GMX ist im deutschsprachigen Raum einer der bekanntesten kostenlosen E-Mail-Anbieter und wird von United Internet betrieben. Anders als bei den zuvor genannten Diensten liegt der Fokus hier weniger auf maximaler Privatsphäre, sondern auf einem unkomplizierten Alltagspostfach. Bei der Registrierung fragt GMX in der Regel keine Telefonnummer ab, sondern eine Backup-E-Mail-Adresse.
Allerdings kann es je nach Situation – etwa bei verdächtigem Anmeldeverhalten – trotzdem zu einer nachträglichen Verifizierung kommen. Meiner Meinung nach eignet sich GMX vor allem für alltägliche Zwecke, weniger für Konten, bei denen Anonymität im Vordergrund steht, da der Dienst werbefinanziert ist und Nutzungsdaten erfasst.
Web.de
Web.de gehört ebenfalls zu United Internet und funktioniert im Prinzip wie GMX. Auch hier ist die Registrierung meist ohne Telefonnummer möglich, in bestimmten Fällen wird jedoch zur Bestätigung eine Nummer angefragt, etwa wenn das System ein erhöhtes Missbrauchsrisiko erkennt.
Wer bereits eine E-Mail-Adresse bei einem anderen Anbieter besitzt, kann diese bei der Anmeldung als Backup-Adresse hinterlegen und umgeht damit in den meisten Fällen die Telefonabfrage von vornherein.
Mail.com
Mail.com bietet eine große Auswahl an Domain-Endungen und ist seit über 25 Jahren am Markt. Auch dieser Dienst verlangt bei der Anmeldung normalerweise nur eine Backup-E-Mail-Adresse statt einer Telefonnummer. Ich empfehle Mail.com vor allem denjenigen, die eine unkomplizierte, kostenlose Lösung für den Alltag suchen und keinen besonderen Wert auf Verschlüsselung legen, aber trotzdem nicht ihre Handynummer preisgeben möchten.
Guerrilla Mail
Wer nur kurzfristig eine E-Mail-Adresse braucht, etwa um eine Registrierung auf einer Webseite zu bestätigen, findet mit Guerrilla Mail eine praktische Lösung. Der Dienst erstellt sofort eine temporäre Adresse ganz ohne Registrierung, ohne Passwort und ohne jede persönliche Angabe.
Nach einer gewissen Zeit löscht sich das Postfach automatisch von selbst. Für ein dauerhaftes Konto, über das Sie regelmäßig erreichbar sein möchten, ist das natürlich nicht geeignet, dafür aber ideal, wenn Sie einmalig einen Bestätigungslink abrufen müssen und Ihre eigentliche Adresse nicht preisgeben wollen.

Was Sie bei der Anmeldung generell beachten sollten
Auch wenn keiner der genannten Dienste standardmäßig eine Telefonnummer verlangt, kann es in Einzelfällen zu einer nachträglichen Abfrage kommen, etwa wenn das Anmeldesystem ein ungewöhnliches Muster erkennt – zum Beispiel viele Registrierungen über dieselbe IP-Adresse oder eine Anmeldung über ein VPN.
Das ist keine Kursänderung des Anbieters, sondern eine Maßnahme gegen automatisierte Spam-Konten. Aus eigener Erfahrung rate ich deshalb dazu, bei der Registrierung eine stabile Internetverbindung ohne VPN zu nutzen, sofern Ihnen die reine Bequemlichkeit wichtiger ist als maximale Anonymität.
Wer hingegen bewusst über Tor oder VPN registrieren möchte, sollte von vornherein etwas Geduld mitbringen, falls eine manuelle Prüfung nötig wird.
